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In meiner täglichen Arbeit werde ich von meinen Klienten aber auch von meinen Kollegen oft nach meiner Definition der Begriffe Emotion und Gefühl gefragt.In der Literatur habe ich für mich in Wirklichkeit keine eindeutigen übereinstimmenden Erklärungen gefunden und bin deshalb immer wieder für mich auf der Suche gewesen, wo ich hier die Grenze ziehe. Warum ist das so wichtig?
Die Grundlage meiner Arbeit beinhaltet das grundsätzliche Aufspüren von nicht gelebten Gefühlen, da dies für viele Unstimmigkeiten in unserem Leben verantwortlich ist. Hat man diese Gefühle erst einmal zugelassen und erfahren, in Liebe angenommen ohne sich dagegen zu wehren oder sich in Widerstandsmustern zu verfangen, so darf sich der Schmerz lösen und die Situationen auf der Stelle verändern. Dies hat sich in zahlreichen Fällen als sehr erfolgreiche Methode bewiesen, und ich natürlich auch durch meine persönliche Erfahrung bestätigen kann.
Wo liegt jetzt also für mich der Unterschied?
Eine Emotion, wie schon der Name sagt, bringt mich in Bewegung, d.h. es tut sich etwas in meinem Körper (Wut, Erregung, Zorn, Freude, Begeisterung,..). Dies kann ich auch körperlich über meine Bewegung oder die Mimik ausdrücken. Tanzen vor Freude, Jubelschreie, Zittern vor Wut, strahlende Augen sind ein paar dieser Möglichkeiten um unsere Emotionen zum Ausdruck zu bringen. In vielen Fällen wird uns das schon als Kind abtrainiert, weil es nicht einem „ordentlichen“, „zivilisierten“ Verhalten entspricht. Wut wird unterdrückt, Zorn im Keim erstickt, überschwängliche Freude zurückgehalten, ein Lächeln verkniffen und vieles mehr. Wir lernen unsere Emotionen so stark zu kontrollieren, dass wir sie irgendwann einmal gar nicht mehr wahrnehmen können. Entweder wir unterdrücken sie oder wir beginnen sie gegen uns selbst zu richten. Dafür setzen sich diese nicht gelebten Emotionen auf lange Sicht gesehen im Körper fest, so lange bis sie sich als Störung bzw. Krankheit manifestieren und so ihren Ausdruck finden. Spätestens dann kann uns bewusst werden, dass wir für lange Zeit etwas unterdrückt haben.
Jeder dieser Emotionen liegt ein nicht gelebtes Gefühl zu Grunde. Eine Emotion ist für mich ein erlerntes Muster, dass ich anwende um ein, für mich als unangenehm definiertes Gefühl, nicht spüren zu müssen.

Im konkreten Fall heißt das: Mein Chef macht mich für einen Fehler verantwortlich, den ich nicht begangen habe. Allerdings fehlt mir der Beweis dafür, ich kann mich also nicht dagegen wehren. In mir entsteht Wut! Die Interpretation ist: Der Chef macht mich wütend! Ich bin in der Opferposition. Von außen betrachtet völlig logisch. Wenn ich mit meiner Betrachtungsweise etwas tiefer gehe, so kann ich feststellen, dass es nicht das Verhalten meines Chefs ist, das mich wütend macht. Tief in mir verspüre ich ein Gefühl der Machtlosigkeit, weil ich gegen seine Anschuldigungen nichts tun kann. Dieses GEFÜHL habe ich irgendwann in meinem Leben als unangenehm klassifiziert. Meist ist dieser Vorgang von den Eltern oder Erziehungspersonen erlernt, genauso wie das Muster der Wut die daraufhin in mir entsteht. Denn Wut bringt mich in Bewegung, ich habe eine Handlungsmöglichkeit, und das empfinde ich als weit besser als die Machtlosigkeit zu spüren.
Der erste Schritt zur Lösung wäre also meine Emotion in angemessener Weise zu leben, also sie nicht gegen andere oder mich selbst zu richten. Der zweite Schritt ist derjenige, herauszufinden, welche Gefühle ich nicht zulassen möchte und damit auch nicht fühlen kann. Unterdrückte Gefühle führen langfristig immer zu emotionalen oder im schlimmsten Fall psychischen aber auch physischen Störungen bzw. Erkrankungen. Das Problem entsteht dadurch, dass wir irgendwann begonnen haben unsere Gefühle als erwünscht oder unerwünscht, heißt auch als angenehm oder unangenehm zu klassifizieren. Die angenehmen Gefühle möchten wir gerne weiter fühlen und die unangenehmen bitte nicht. Irgendwann können wir nicht mehr entscheiden was wir fühlen und was nicht. Entweder wir fühlen oder nicht. Tun wir es nicht, sind wir irgendwann auch nicht mehr in der Lage, die von uns als schön bewerteten Gefühle wie Liebe, Geborgenheit oder Nähe zu spüren.
Um gesund und glücklich zu leben bleibt uns also nichts anderes übrig, als ALLE Gefühle zu fühlen und diese zu zulassen. Machen wir dies ohne sie positiv oder negativ zu bewerten, steht dem Weg in ein erfülltes Leben nichts mehr im Weg!

Ich wünsche dir von Herzen ein gefühlvolles Leben

Petra Soreia